Lass uns heute mal schauen, was es uns eigentlich schwer macht, diese innere Stärke zu entwickeln.
Genaugenommen sind es drei Sätze in unserem Kopf.
Sätze, die du vielleicht nicht mal bewusst denkst.
Aber die trotzdem da sind.
Du weißt … Glaubenssätze.
Flüsternd.
Fordernd.
Unerbittlich.
Satz 1: “Ich muss immer stark sein.”
Klar. Wir wollen stark sein.
Stark zu sein, ist eine gute Sache.
Aber die gute Stärke ist eine langfristige Sache, die Phasen der Schwäche und Müdigkeit erlaubt.
Stark zu sein heißt nicht, immer in Topform zu sein.
Stark zu sein heißt eher, die richtigen Entscheidungen zu treffen und bei den wichtigen Dingen nicht einzuknicken.
Echte Stärke zeigt sich NICHT darin, dass du nie schwach bist.
Echte Stärke zeigt sich darin, dass du deine Schwäche spüren kannst.
Dass du sie annimmst.
Und trotzdem weitergehst.
Wer immer nur “stark sein” will, kämpft gegen sich selbst.
Gegen die eigene Müdigkeit.
Gegen die eigenen Grenzen.
Und das kostet zusätzlich Kraft.
Kraft, die dir dann fehlt, wenn du sie wirklich brauchst.
Satz 2: „Ich darf nicht schwach wirken.“
Das ist der zweite Satz.
Und er ist fast wie Satz Nummer 1, nur perfider.
Weil es hier nicht mehr darum geht, wie du dich fühlst.
Sondern nur noch darum, wie du wirkst.
Zeig deine Müdigkeit nicht.
Verbirg es, wenn du durchhängst.
Lass niemanden sehen, wenn du zweifelst.
Du lächelst.
Du sagst, alles ist gut.
Selbst wenn gar nichts gut ist.
Du bist so beschäftigt, eine Fassade aufrechtzuerhalten, dass du gar nicht mehr merkst, was eigentlich in dir vorgeht.
Was du wirklich brauchst.
Und gleichzeitig verlierst du den Kontakt zu anderen.
Weil niemand dich wirklich sehen kann.
Weil du nur die polierte Version von dir präsentierst.
Aber echte Verbindung entsteht nicht durch Perfektion.
Echte Verbindung entsteht durch Echtheit.
Durch den Mut, sich zu zeigen, wie man wirklich ist.
Das ist wahre Stärke.
Satz 3: „Ich muss alles alleine schaffen.“
Der dritte Satz.
Und vielleicht der gefährlichste.
Weil er suggeriert:
Hilfe annehmen ist Schwäche.
Um Unterstützung bitten ist Versagen.
Also kämpfst du dich durch.
Alleine.
Du fragst nicht.
Du bittest nicht.
Du lässt niemanden rein.
Aber niemand ist für dieses Leben alleine gebaut.
Wir sind soziale Wesen.
Wir brauchen einander.
Und Resilienz – echte, tragfähige Resilienz – entsteht nicht in der Isolation.
Sie entsteht in Verbindung.
In Beziehungen, die dich tragen.
In Momenten, in denen du merkst: Ich bin nicht alleine.
Also.
Vielleicht erkennst du dich in einem dieser Sätze wieder.
Vielleicht in allen dreien.
Und jetzt lass mich zum Abschluss noch 3 Fragen stellen:
- Wie wäre mein Leben, wenn ich langfristig stark wäre und wenn ich meine schwachen Phasen akzeptieren würde?
- Wie wäre mein Leben, wenn ich mich zeigen könnte, wie ich wirklich bin?
- Wie wäre mein Leben, wenn ich noch mehr Hilfe suchen und aber auch Hilfe geben würde?
Kau gerne ein bisschen auf diesen Fragen herum.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Zohre Nemati







