Der Nobelpreisträger Bertrand Russell hat einmal geschrieben:
Das Problem ist, dass in der modernen Welt die Dummen so selbstsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind. (Zitat leicht abgeändert)
Selbstsicherheit und Selbstvertrauen fühlen sich auch gut an.
Selbstzweifel dagegen, ja die machen keinen Spaß.
Und Selbstvertrauen hilft ja wirklich im Leben.
Weil ich Dinge anfange, selbst wenn ich sie noch nicht kann.
Und weil ich dann dazulerne und es dann irgendwann wirklich kann.
Auf der anderen Seite hast du auch die Menschen, die sich einfach nur komplett selbst überschätzen und jedes Feedback aus ihrer Umgebung ignorieren.
Zu viele Selbstzweifel sind also schlecht.
Zu wenig Selbstzweifel aber eben auch.
Es ist – wie immer – der Weg in der Mitte.
Selbstzweifel sind okay, solange ich mich von ihnen nicht aufhalten lasse.
Aber wie geht das konkret?
Wie kannst du dich selbst in Frage stellen, ohne dich dabei zu zerlegen?
Der entscheidende Unterschied:
Destruktive Selbstzweifel greifen deine Person an.
Sie sagen:
- Du bist nicht gut genug.
- Du schaffst das nie.
- Du bist ein Versager.
Diese Zweifel machen dich klein.
Sie halten dich davon ab, überhaupt anzufangen.
Konstruktive Selbstzweifel hinterfragen deine Ideen, deine Pläne, deine Annahmen.
Sie fragen:
- Habe ich alle Informationen?
- Gibt es einen besseren Weg?
- Was übersehe ich?
Diese Zweifel machen dich klüger.
Sie schützen dich vor dummen Fehlern.
Sie helfen dir, besser zu werden.
Der Trick ist also: Zweifle an deinen Ideen, nicht an deinem Wert.
Du darfst deine Strategie hinterfragen.
Du darfst deinen Plan überdenken.
Du darfst deine Sichtweise korrigieren.
Aber du darfst nicht anfangen, dich selbst als Person in Frage zu stellen.
Denn das bringt dich nirgendwo hin.
Noch ein wichtiger Punkt:
Der Zeitpunkt macht den Unterschied.
Selbstzweifel VOR einer Entscheidung? Super. Das ist Reflexion.
Selbstzweifel WÄHREND der Umsetzung? Okay, wenn sie kurz sind und zu Anpassungen führen.
Selbstzweifel NACH einer Entscheidung, wenn du schon mittendrin bist? Meistens nur Selbstsabotage.
Stell dir vor, du bist auf einer Wanderung.
Bevor du losgehst, checkst du die Route, das Wetter, deine Ausrüstung. Das ist klug.
Während der Wanderung merkst du, dass ein Weg zu steil ist und wählst eine Alternative. Auch klug.
Aber wenn du nach einer Stunde Wanderung anfängst zu grübeln, ob du überhaupt wandern können solltest, ob du die richtige Persönlichkeit fürs Wandern hast – das ist Mindfuck.
Also: Hinterfrage deine Entscheidungen, bevor du sie triffst.
Und dann geh los.
Korrigiere, wenn nötig.
Aber hör auf, dich selbst zu verhören, während du gehst.
Noch eine Sache:
Menschen ohne Selbstzweifel sind nicht stark.
Sie sind blind.
Sie übersehen ihre Schwachstellen.
Sie lernen nicht dazu.
Sie rennen gegen Wände, die andere längst gesehen haben.
Du brauchst deine Selbstzweifel.
Aber du brauchst sie als Werkzeug, nicht als Waffe gegen dich selbst.
Frag dich also beim nächsten Mal, wenn Zweifel auftauchen:
“Helfen mir diese Gedanken, klüger zu handeln? Oder halten sie mich nur davon ab, überhaupt zu handeln?”
Wenn die Antwort “klüger handeln” ist: Hör zu.
Wenn die Antwort “nur aufhalten” ist: Geh trotzdem los.
Denn am Ende ist es so:
Die wirklich klugen Menschen sind nicht frei von Zweifeln.
Sie haben nur gelernt, welche Zweifel sie ernst nehmen sollten.
Und welche sie ignorieren dürfen.
Ich wünsche dir, dass du deine Zweifel als das nutzt, was sie sein sollten:
Als Kompass, nicht als Gefängnis.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: https://unsplash.com/de/@elenahelade







