Ich wäre gerne gelassener.
Du weißt schon: Dieser Zustand, in dem dich nichts mehr aus der Ruhe bringt.
Ich würde gerne mehr in mir ruhen.
Es klappt nur nicht.
Ich versuche Stress und doofe Situationen zu vermeiden.
Aber ich spüre trotzdem keinen inneren Frieden.
Warum?
Weil ich an der falschen Stelle danach suche.
Die falsche Stelle?
Genau.
Viele von uns versuchen innere Ausgeglichenheit in der Sicherheit zu finden.
Wir denken: Wenn ich erst dies oder jenes habe, dann kann ich endlich durchatmen.
Wenn ich nur den richtigen Job hätte. Die sichere Beziehung. Genug Geld auf dem Konto. Dann könnte ich loslassen.
Aber das ist wie zu glauben: Wenn ich nur genug Muskeln hätte, müsste ich nie mehr trainieren.
Nein.
Denn Gelassenheit hängt nicht von deinen äußeren Umständen ab.
Gelassenheit ist eine Fähigkeit, die du trainieren musst.
Und deine Gelassenheit wächst nicht in friedlichen Momenten.
Sie wächst genau dort, wo dein Herz schneller schlägt. Wo du spürst: Jetzt wird es unangenehm.
Gelassenheit bedeutet nicht, dass du stumpf wirst und dass dich dann nichts mehr berührt.
Gelassenheit bedeutet, dass du damit umgehen kannst und handlungsfähig bleibst, wenn es schwierig wird.
Es geht darum, Unsicherheit auszuhalten, ohne ständig Gewissheit zu brauchen.
Es geht darum, Angst zu spüren, ohne in Panik zu verfallen.
Oder abgelehnt zu werden, ohne zusammenzubrechen.
Oder Frustrationen zu begegnen, ohne gleich alles hinzuschmeißen.
Gelassenheit ist die Sicherheit, dass du mit allem umgehen kannst.
Und genau das will trainiert werden.
Aber wo trainierst du das?
Du trainierst das im Alltag.
Das Leben ist dein Trainingsplatz.
An jedem Tag.
→ Unsicherheit aushalten: Du weißt nicht, ob du die Beförderung bekommst. Statt ständig nachzufragen oder dich mit Worst-Case-Szenarien zu quälen, übst du: Ich halte das Nichtwissen aus.
→ Angst spüren: Dein Herz klopft, bevor du ein schwieriges Gespräch führst. Statt es aufzuschieben, gehst du trotzdem rein. Mit Herzklopfen.
→ Sorgen durchleben: Dein Kind kommt zu spät nach Hause. Dein Kopfkino läuft. Du übst: Die Sorge darf da sein. Sie frisst mich nicht auf.
→ Frustration begegnen: Das Projekt läuft nicht, wie du es geplant hast. Wieder. Du übst: Ich bleibe dran. Auch wenn es nervt.
→ Hilflosigkeit zulassen: Du kannst eine Situation nicht ändern. Nicht kontrollieren. Nicht reparieren. Du übst: Ich muss nicht alles lösen können.
→ Ablehnung erleben: Jemand sagt Nein zu dir. Jemand mag deine Idee nicht. Oder sie will nicht mit dir zusammenarbeiten. Du übst: Das sagt nichts über meinen Wert.
→ Scheitern durchstehen: Du hast einen Fehler gemacht. Einen blöden. Einen sichtbaren. Du übst: Ich bin mehr als dieser Fehler.
→ Dein „Zu sehr wollen“ loslassen: Du willst unbedingt, dass etwas klappt. Unbedingt. Du merkst: Genau das macht dich eng im Herzen. Du übst: Ich will es – aber ich werde auch damit klarkommen, wenn es nicht klappt.
Jede dieser Situationen ist eine Chance und ein Trainingsfeld, um gelassener zu werden.
Macht das Spaß? Sicherlich nicht immer.
Aber es macht Spaß, wenn du merkst, dass deine Grundstimmung immer ausgeglichener und gelassener wird.
Und je öfter du trainierst, desto leichter wird es.
Nicht, weil die Situationen weniger schlimm werden.
Sondern, weil du merkst: Ich kann mehr aushalten. Ich zerbreche nicht daran.
Und diese Erfahrung macht dich gelassen.
Du lernst: Ich bin größer als meine Angst.
Ich bin stabiler als meine Sorgen.
Ich kann mehr aushalten, als ich dachte.
Das erzeugt Gelassenheit.
Gelassenheit ist nicht die Abwesenheit von Stress.
Sondern die Fähigkeit, Stress zu fühlen – und trotzdem ruhig zu bleiben.
Wenn du das üben willst, dann such dir heute eine Situation, die dich normalerweise stresst.
Und versuche nicht, sie zu vermeiden.
Nicht zu lösen.
Nicht wegzumachen.
Versuch einfach nur: Sie auszuhalten und dabei bei dir zu bleiben. Indem du dir sagst: Ich fühle das jetzt und ich komme damit zurecht.
Das ist dein Training.
Das ist der Weg zur Gelassenheit.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com/ @ Conny Schneider







