Warum hast du vieles nicht bekommen, was du dir für dieses Jahr gewünscht hast?
Klar. Du weißt schon, warum es nicht geklappt hat.
Die Arbeit. Der Stress. Die anderen, die dich gebraucht haben. Du warst krank.
Ja, du kennst die Gründe.
Aber das ist vielleicht auch nicht die ganze Wahrheit.
Es ist natürlich nicht so, dass deine Gründe nicht real wären.
Natürlich sind sie echt.
Aber vielleicht sind es eher Symptome der wirklichen Gründe.
Sie sind die Erklärung, hinter der sich der echte Grund versteckt.
Ja, ich weiß. Das klingt hart. Das ist es auch – irgendwie.
Aber Wohlfühl-Botschaften bringen einen manchmal nicht weiter.
Wenn die Umstände schuld sind, bist du leider machtlos.
Wenn du selbst verantwortlich bist, hast du plötzlich Macht.
Verantwortlich.
Das bedeutet nicht, ich bin selbst schuld.
Sondern das bedeutet: Es ist meine Aufgabe, auf die Situation klug und in meinem besten Sinne zu antworten.
Dein Leben ist ein System. Es gibt Muster. Es gibt Engpässe. Es gibt Punkte, an denen es immer wieder hakt.
Bei manchen ist es die Angst vor Sichtbarkeit.
Bei anderen der Glaube, dass die eigenen Bedürfnisse weniger zählen.
Bei wieder anderen der Perfektionismus, der flüstert: Lieber gar nicht als nicht perfekt.
Oder oder oder …
Dieser Engpass ist kein Pech.
Er ist ein Teil von dir, der eine Funktion hat.
Er schützt dich vor etwas.
Vor Ablehnung vielleicht. Vor Konflikten. Vor Überforderung. Vor der Erkenntnis, dass du es wirklich könntest – und dann keine Ausrede mehr hättest.
Die unbequeme Frage ist nicht: Was hat mich aufgehalten?
Die unbequeme Frage ist: Was habe ich davon, mich aufhalten zu lassen?
Denn wenn etwas nicht klappt, haben wir meistens auch etwas davon.
Deswegen ist das mit dem „Ziele erreichen“ so schwierig.
Wir halten uns selbst auf.
Und das bitte nicht falsch verstehen.
Das ist kein Vorwurf, keine Anklage, keine Kritik.
Das ist Psychologie. So funktionieren wir Menschen eben.
Ich funktioniere so. Und du sehr wahrscheinlich auch.
Und was ist die Lösung?
Schritt 1: Übernimm die Verantwortung für dich. Akzeptiere, dass es auch an dir selbst liegt.
Nicht, um dich fertig zu machen.
Sondern als Voraussetzung für Schritt 2.
Schritt 2: Akzeptiere, dass ein neuer Ansatz nötig ist.
Statt dich zu fragen: Wie muss ich mich ändern?
Frage dich besser:
- Wie kann ich es mir leichter machen, das für mich Beste zu tun?
- Wie kann ich das „gute Verhalten“ zum Weg des geringsten Widerstands machen?
- Was kann ich heute tun, damit das „gute Verhalten“ in Zukunft der einzige Weg ist?
- Welche Brücken kann ich heute verbrennen, damit es für mich keinen bequemen Weg zurück gibt?
Nicht mehr Disziplin.
Nicht mehr Willenskraft.
Sondern klügere Strukturen.
Denn Willenskraft ist endlich. Das ist keine Schwäche. auch das ist Psychologie.
Aber deine Umgebung? Die kannst du gestalten.
Die Menschen, die wirklich etwas verändern, kämpfen nicht härter gegen sich selbst.
Sie bauen sich eine Welt, in der das Richtige leichter fällt als das Falsche.
Also: Was ist dein Engpass?
Welcher Teil von dir zieht die Bremse – und was braucht er, um loszulassen?
Und wie kannst du dein Leben so einrichten, dass dieser Teil weniger Macht hat?
Das ist keine Arbeit für einen Nachmittag.
Aber es ist die Arbeit, die sich lohnt.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Nikola Knezevic







