Schwierige Zeiten gerade.
Weltlage. Klima. Kriege.
Vieles fühlt sich an, als würde es in die falsche Richtung laufen.
Und dann ist da noch das eigene Leben.
Vielleicht ist es nicht so gelaufen, wie du es dir mal vorgestellt hast. Vielleicht hast du ein paar Enttäuschungen hinter dir, die sich eingebrannt haben.
Irgendwann hast du angefangen, dich innerlich auf das Schlimmste vorzubereiten. Weil das eben vernünftig ist. Weil man dann nicht so tief fällt. Bloß nicht zu viel hoffen.
Wer weniger erwartet, wird weniger verletzt.
Das haben wir irgendwann gelernt. Nicht aus einem Buch. Sondern weil es wehgetan hat.
Weil wir uns auf etwas gefreut haben, und dann kam es nicht.
Weil wir gehofft haben, und die Hoffnung hat uns im Stich gelassen.
Also haben wir uns die Hoffnung Stück für Stück abgewöhnt.
Nicht bewusst. Eher so, wie man die Hand von einer heißen Herdplatte zieht. Es war ein Reflex. Ein Schutzmechanismus.
Und ja, dieser Schutz ist nachvollziehbar.
Es gibt gerade genug Gründe, skeptisch zu sein. Manches in der Welt entwickelt sich in eine Richtung, die einem Sorgen machen kann.
Es wäre naiv, das einfach auszublenden. Es wäre auch nicht ehrlich.
Aber was, wenn dieser Schutz dich mehr kostet, als er dir bringt?
Was, wenn du durch das ständige Rechnen mit dem Schlimmsten in einer Welt lebst, die so noch gar nicht existiert?
Du trägst jetzt schon das Gewicht von etwas, das noch gar nicht passiert ist. Du zahlst jetzt schon den Preis für eine Enttäuschung, die vielleicht nie kommt.
Und das Ergebnis?
Du lebst in einer schlechteren Gegenwart, als nötig wäre. Nicht weil dein Leben gerade schlecht ist. Sondern weil du innerlich schon in der nächsten Katastrophe steckst.
Was wäre, wenn du mal mit dem besten Fall rechnest?
Nicht naiv. Nicht blauäugig. Nicht mit einer rosaroten Brille.
Sondern ganz bewusst.
So wie du gelernt hast, dich auf Schlechtes vorzubereiten, kannst du auch lernen, dich auf Gutes einzustellen.
Das ist kein Wunschdenken. Das ist eine Entscheidung.
Die Entscheidung, nicht automatisch vom Schlimmsten auszugehen. Sondern sich die Möglichkeit offen zu halten, dass es auch gut werden kann.
Dass es vielleicht sogar besser wird, als du denkst.
Nicht weil du dir das einredest. Sondern weil du aufhörst, dir automatisch das Gegenteil einzureden.
Vielleicht denkst du jetzt: „Aber wenn ich mich auf Gutes einstelle und es kommt nicht, dann tut es doppelt weh.”
Das kann sein.
Aber wenn du dich immer nur auf Schlechtes einstellst, tut es auch weh. Nur eben die ganze Zeit. Still und leise.
So wie ein Grundrauschen, an das du dich so gewöhnt hast, dass du es gar nicht mehr merkst.
Probier mal was aus.
Nimm dir eine Sache, die in den nächsten Tagen ansteht. Eine Entscheidung. Ein Gespräch. Ein Projekt.
Irgendetwas, bei dem du normalerweise schon innerlich zusammenzuckst.
Und dann stell dir vor, dass es gut läuft. Nicht perfekt. Einfach gut.
Stell dir vor, wie sich das anfühlen würde.
Wie du danach nach Hause kommst und denkst: „Das war gar nicht so schlimm. Das war sogar richtig gut.“
Und klar, das verändert nicht die Welt da draußen. Aber es verändert, wie du durch deinen Tag gehst.
Und manchmal reicht das schon.
Du musst nicht die ganze Welt retten. Du musst nicht alles gut finden.
Aber vielleicht kannst du dir erlauben, bei der nächsten Sache, die ansteht, mal nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen.
Sondern mit dem Besten.
Und dann mal schauen, was passiert.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Ahmed Zayan







