Da stehst du nun.
Bleiben ist schmerzhaft.
Gehen ist aber auch schmerzhaft.
Ja, es gibt Situationen, da gibt es keine Wohlfühl-Lösung.
Da gibt es nur die Gewissheit, dass etwas anders werden muss.
Dass du etwas ändern musst.
Dass du Mut brauchst, um den ersten Schritt zu machen, damit du aus dem Schmerz auch mal wieder herauskommst.
Mut.
Bei anderen bewundern wir das.
Bei uns selbst? Da sagen wir:
- Ich kann das nicht.
- Ich traue mich das nicht.
- Das kann ich doch nicht machen.
Es braucht Mut, endlich eine Entscheidung zu treffen.
Und es kostet dich Lebensfreude und manchmal sogar die Gesundheit, wenn du dich nicht entscheidest.
Neulich habe ich etwas Seltsames bemerkt.
Manche Menschen kämpfen sich durch die schlimmsten Situationen. Jahrelang.
Sie bleiben. Sie hoffen. Sie geben nicht auf, obwohl jeder normale Mensch längst das Handtuch geworfen hätte.
Andere springen ab. Mitten im scheinbar größten Chaos. Sie sagen: „Nee, das passt nicht mehr zu mir.“
Und dann gehen sie.
Einfach so.
Wer ist mutiger?
Früher dachte ich: Natürlich die, die bleiben. Die kämpfen doch.
Heute weiß ich: Beide sind mutig.
Nur eben auf unterschiedliche Art und Weise.
Die einen folgen ihrer Hoffnung.
Sie glauben, da ist noch etwas möglich.
Da kann noch etwas werden.
Sie sehen Potential, wo andere nur Schrott sehen.
Die anderen folgen ihrem inneren Wissen.
Dieses tiefe Gefühl:
„Das ist nicht mehr meins. Das wird nichts mehr. Ich gehöre hier nicht mehr hin.“
Beides kostet Mut.
Hoffen ist verdammt anstrengend. Du kämpfst oft gegen Realitäten an, die dich täglich klein machen wollen.
Und Wissen ist verdammt einsam. Du gehst gegen alle Erwartungen. Vielleicht halten dich alle für bekloppt. Aber du gehst trotzdem.
Und was bist du für ein Typ?
Wissen oder Hoffen?
Du spürst es wahrscheinlich schon. In deinem Bauch. In deiner Brust. Irgendwo da drin.
Aber jetzt kommt das Verrückte:
Manchmal ist dein natürliches Muster genau das Falsche.
Ich war zum Beispiel früher immer ein Wissens-Typ.
Wenn etwas schwierig war, hatte ich ziemlich schnell das Gefühl:
„Das wird nichts mehr. Das ist nicht mehr meins.“
Und das war im Nachhinein betrachtet manchmal richtig und manchmal falsch.
Hinterher kann man das ja immer sehen.
Und du?
Wenn du ein Bleib-Typ bist, ein Hoffer, dann hast du vielleicht schon mal zu lange an etwas festgehalten, das längst tot war.
An einem Job, der dich zermürbt hat.
An einer Beziehung, die nur noch Gewohnheit war.
Ja, unsere größte Stärke kann auch unsere größte Schwäche werden.
Die Gabe zu hoffen, kann zur Falle werden, wenn wir nicht mehr unterscheiden können zwischen „noch möglich“ und „längst vorbei“.
Die Gabe zu wissen, dass es vorbei ist, kann zur Flucht werden. Wenn wir bei der ersten Schwierigkeit abhauen.
Also:
Wie findest du raus, wann du deinem Muster folgen sollst – und wann nicht?
Hier sind ein paar Fragen, die helfen:
Für die Hoffnungs-Typen:
- Hoffst du noch – oder klammerst du dich fest?
- Kämpfst du für etwas, das wachsen will – oder gegen etwas, das sterben will?
- Investierst du Energie in Veränderung – oder verbrennst du dich für die Illusion, dass alles beim Alten bleibt?
- Wie lange hoffst du schon auf genau das Gleiche, ohne dass sich was bewegt hat?
Für die Wissens-Typen:
- Weißt du wirklich – oder willst du nur weg, weil es gerade anstrengend ist?
- Gehst du, weil es nicht passt – oder weil du Angst hast vor dem, was kommen könnte?
- Hast du dem Ding eine echte Chance gegeben – oder läufst du vor dem ersten Gegenwind davon?
- Wie oft bist du schon gegangen und hast es später bereut?
Manchmal ist es Zeit, die Hoffnung einzustellen.
Manchmal ist es Zeit, Hoffnung zu entwickeln.
Manchmal musst du bleiben und kämpfen, obwohl dein Bauchgefühl „geh“ sagt.
Manchmal musst du gehen, obwohl dein Herz „bleib“ schreit.
Das ist der wahre Mut:
NICHT immer deinem Impuls und deiner Intuition zu folgen.
Sondern dir die Zeit zu nehmen, die richtigen Fragen zu stellen.
Und dann zu entscheiden.
Bewusst. Klar. Mit offenen Augen.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Annie Spratt







