Lass uns noch weiter über Heldinnen und Helden sprechen.
Silvester ist ja der Tag, an dem wir uns vornehmen, etwas zu ändern und endlich zu so einer Heldin zu werden.
Und der 2. Januar ist der Tag, an dem wir wieder das unbeteiligte Opfer spielen.
Kennst du vielleicht?
Aber was wäre, wenn es dieses Mal anders läuft?
Nicht weil du bessere Vorsätze hast.
Sondern weil du verstehst, was einen Helden wirklich ausmacht.
Ich selbst kenne das Spiel natürlich auch zu gut.
Jedes verdammte Jahr das gleiche Ritual.
Wir nehmen uns vor: Stark sein. Mutig sein. Konsequent sein.
Eben endlich zur Heldin im eigenen Leben zu werden.
Die Vorsätze leuchten schimmernd und einfach schön, wie Seifenblasen in der Silvesternacht.
Und zwei Wochen später?
Zerplatzt.
Dann spielen wir wieder die alte Rolle.
Die Rolle des Menschen, dem das Leben passiert.
Der reagiert, statt zu agieren.
Ein Mensch, vom Leben getrieben.
Jemand, der wartet, statt zu gestalten.
Der sich am Ende des Tages fragt: „Warum immer ich?”
Und das Schlimmste daran?
Nicht, dass wir scheitern.
Das Schlimmste ist der Beweis, den wir uns damit liefern.
„Siehst du? Ich kann es eben doch nicht.“
„Die anderen können vielleicht Helden sein, aber ich nicht.”
Mit jedem zerplatzten Vorsatz gräbt sich diese Überzeugung tiefer ein.
Wie eine Schallplatte mit Sprung.
Immer dieselbe Stelle.
Immer derselbe Satz.
„Ich bin nicht stark genug.“
Das Problem dabei ist aber nicht deine Schwäche.
Das Problem ist nicht dein fehlender Mut.
Das Problem ist ein falscher Heldenbegriff.
Ein Heldenbegriff, den uns Hollywood verkauft hat.
Wir glauben, Heldinnen zeichnen sich durch Mut aus.
Durch Stärke.
Durch Glück.
Durch große Gesten und perfekte Vorsätze.
Wir denken an die Filmhelden, die nie zweifeln.
An die Instagram-Profile, die nur Siege zeigen.
An die Menschen, die scheinbar mühelos durchs Leben gleiten.
Keine Rückschläge. Keine Schwäche. Keine Zweifel.
Aber das ist eine krasse Verschönerung der Realität.
Das ist ein Schein, der uns gar nicht gut tut.
Weil dieser Schein uns glauben lässt, wir bräuchten diese Perfektion und diese übermenschliche Kraft.
Und wenn wir sie nicht haben?
Dann sind wir eben keine Helden.
Was Helden aber wirklich von allen anderen unterscheidet?
Nicht der Mut.
Nicht die Stärke.
Nicht das Glück.
Sondern eine einzige Entscheidung, die sie jeden Tag aufs Neue treffen.
Auch an den Tagen, an denen sie zweifeln.
Gerade an denen.
Diese Entscheidung lautet: „Ich bin verantwortlich.”
Nicht für alles, was passiert.
Nicht für die Umstände.
Nicht für das Wetter, die Wirtschaft oder die Launen anderer Menschen.
Aber für das, was ich daraus mache.
Und dafür, dass ich nicht aufgebe.
Verantwortung ist wie das Steuer eines Schiffes.
Du kontrollierst nicht den Ozean.
Nicht die Wellen.
Nicht den Sturm.
Aber du kontrollierst die Richtung.
Und genau das ist der Unterschied zwischen Heldin und Opfer.
Helden nehmen das Steuer in die Hand.
Die Heldin sagt nicht: „Ich bin stark genug, um das zu schaffen.”
Der Held sagt: „Ich bin verantwortlich dafür, wie ich damit umgehe.”
Das Opfer fragt: „Warum passiert mir das immer?“
Die Heldin fragt: „Was mache ich jetzt daraus?”
Das Opfer wartet auf bessere Umstände.
Der Held arbeitet mit den Umständen, die er hat.
Er entscheidet sich dafür, das Steuer in die Hand zu nehmen.
Und genau diese Entscheidung steht jetzt an.
Nicht am 1. Januar.
Nicht wenn du bereit bist.
Nicht wenn alles perfekt ist.
Jetzt.
Du kannst dir vornehmen, ab morgen ein Held zu sein.
Stärker, mutiger, konsequenter.
Und du kannst dann scheitern.
Wie jedes Jahr.
Oder.
Oder du triffst jetzt diese eine Entscheidung:
„Ich bin die Heldin in meinem Leben.”
Nicht weil ich stark bin.
Sondern weil ich verantwortlich bin.
Nicht weil ich alles schaffe.
Sondern weil ich die Richtung bestimme.
Nicht weil ich nie scheitere.
Sondern weil ich auch nach dem Scheitern am Steuer bleibe.
Alles Gute für dich.
Wir lesen uns im neuen Jahr wieder.
Rutsch gut rüber.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
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