Du hast sicher schon mal davon gehört, aber trotzdem möchte ich kurz noch erklären, was selbsterfüllende Prophezeiungen eigentlich sind.
“Es hat überhaupt keinen Sinn, das zu versuchen. Das geht sowieso wieder schief.”
“Ich will mich nicht mehr verlieben. Ich werde eh wieder nur enttäuscht und verletzt.” (Das sind sogar gleich zwei selbsterfüllende Prophezeiungen.)
“Ich werde mit Sicherheit wieder irgendetwas falsch machen. Ich mache doch nie was richtig.”
“Warte es nur ab. Jetzt bin ich gesund, aber spätestens, wenn ich in den Urlaub fahren will, werde ich wieder krank.”
“Ich habe Angst. Wenn ich zugebe, dass ich einen Fehler gemacht habe, werden mich die Anderen wieder auslachen und anfangen, mich zu mobben.”
Kennst du solche Gedanken?
Ich kenne sie jedenfalls zur Genüge. Diese Art von Gedanken haben quasi mein gesamtes 18. Lebensjahr gestaltet.
Ich habe ständig Fehler gemacht und damit Andere enttäuscht.
Ich wurde gemobbt.
Ich war ständig krank, wenn ich eigentlich die Zeit hatte, etwas Tolles zu unternehmen und meinem Leben zu entfliehen.
Ich wurde verletzt und enttäuscht. Immer wieder, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, mich von diesem Leben entfernen zu müssen, weil ich den Schmerz einfach nicht mehr ausgehalten habe.
Mein Gott, wenn ich damals schon gewusst hätte, was ich dir gleich zeigen möchte, hätte ich mir eine Menge Schmerz und Enttäuschung erspart.
Warum funktionieren selbsterfüllende Prophezeiungen?
Es gibt mehrere Gründe. Heute will ich aber auf das Gesetz der Anziehung eingehen.
Glaube daran oder nicht, aber es funktioniert. Ich habe bisher noch nicht versucht, das Gesetz der Anziehung aktiv für mich zu nutzen, aber mir ist im Nachhinein schon sehr oft aufgefallen, dass es gewirkt hat, wenn ich unbewusst alle richtigen (oder auch ungünstigsten) Hebel in Bewegung gesetzt habe.
Aber mit solchen Sätzen, wie den oberen, setzt du nicht nur irgendein dubioses kosmisches Gesetz in Gang, das ich selbst gerade erst richtig angefangen habe zu erforschen. Nein, sie haben auch ganz logische, wissenschaftlich nachweisbare Auswirkungen.
Mach am besten einmal folgenden Test:
- Spüre kurz in dich hinein, wie es dir gerade geht. Fühle auch in deinen Körper hinein, wo du vielleicht eine Unruhe, etwas Schweres, ein Kribbeln oder ähnliches spürst. Egal, ob es sich für dich gut anfühlt oder nicht. Nimm es einfach als ersten Schritt wahr.
- Sage dir drei mal hintereinander laut: “Ich fühle mich schlecht! Mein Leben ist beschissen, meine Gesundheit ist im A* und alle hassen mich!“.
- Nun fühle wieder in dich hinein. Hat sich etwas verändert? Fühlst du dich eher schwer oder leicht? Fühlst du dich eng und angespannt oder weit und frei? Fühlst du dich dabei gut oder schlecht? Nimm wahr, was da ist, ohne es zu bewerten. Spüre es einfach beobachtend und lass es da sein.
Nun mache im Gegenzug dazu Folgendes:
- Spüre wieder kurz in dich hinein. Nimm wahr, was da ist, egal, ob es vorher schon da war oder durch die erste Übung erst präsent geworden ist.
- Sage dir nun drei mal hintereinander laut: “Mir geht es gut! Ich erkenne es vielleicht nicht immer und es fällt mir oft (vielleicht auch jetzt gerade?) schwer, das zu glauben und mich zu lieben, so wie ich bin. Aber ich weiß trotzdem, dass ich absolut liebenswert und wertvoll bin. Ich bin völlig okay, so wie ich jetzt bin und ich liebe mich mit all meinen Macken und Fehlern! Ja, meine Macken und Fehler, ich liebe euch!”
- Fühle nun wieder in dich hinein. Wie geht es dir? Fühlst du dich gerade schwer oder leichter, im Vergleich zu vorher? Ist es in dir eher eng oder spürst du, wie etwas gerade frei wird und fließt? Fühlst du dich klein oder eher mutiger und größer?
Du wirst merken, wie sich dein Körper verändert. Dein Körper reagiert auf das, was du ihm sagst!
Und deswegen wirst du auch genau das ausstrahlen, was du sagst!
Wenn du dir einredest, dass dich jemand nicht mögen wird, dann fühlst du dich klein. Du wirst das Gefühl haben, dich von ihm abschotten zu müssen, um nicht verletzt zu werden.
Und genau das wirst du ausstrahlen. Dein Gegenüber wird dich als eher klein und unbedeutend wahrnehmen. Er wird das Gefühl haben, dass du irgendetwas vor ihm zurückhältst (was es ihm natürlich schwer macht, dir zu vertrauen und sich bei dir fallen zu lassen). Er wird oftmals sogar denken, dass du ihn nicht magst und dich deswegen so verhältst.
Dementsprechend wird er sich dir gegenüber verhalten. Oder wie würdest du dich jemandem gegenüber verhalten, der dir den Eindruck vermittelt, dass er dich nicht mag? Freundlich und offen? Eher nicht, oder?
Das ist der erste Grund, warum selbsterfüllende Prophezeiungen so oft funktionieren.
Du strahlst das aus, wonach du dich fühlst. Deine Gedanken erschaffen deine Gefühle.
Der einzige Weg, diese selbsterfüllenden Prophezeiungen zu stoppen, ist, folgenden Weg zu gehen:
- Wir müssen erkennen, wo wir uns selbst solche selbsterfüllenden Prophezeiungen auferlegen.
- Wir müssen unsere Gedanken bewusst wahrnehmen. Sie beobachten, anstatt sie “passiv” zu denken.
- Wir dürfen uns nun bewusst zu anderen, positiven Gedanken entscheiden.
Was könntest du stattdessen denken? Welcher Tätigkeit könntest du dich nun widmen, die dich fröhlicher macht?
Das sollte schon ein wenig weiterhelfen können.
Der zweite Grund, warum selbsterfüllende Prophezeiungen so gut funktionieren.
Ich bin nun wirklich kein religiöser Mensch, aber ich liebe diesen Satz aus der Bibel, Matthäus 7:8 :
“Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da suchet, der findet; [..]”
Wer suchet, der findet.
Wenn wir nur lange genug nach etwas suchen, werden wir es immer finden. So funktioniert unser Gehirn einfach. Das, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, ziehen wir immer mehr in unser Leben.
Das beste Beispiel sind werdende Mütter oder Frauen mit Kinderwunsch: Sie sehen plötzlich überall kleine Kinder, frischgebackene Mütter oder schwangere Bäuche.
Wer suchet, der findet.
Und wer lange genug sucht, wird immer etwas finden. Ja, sogar noch mehr:
Wer etwas lange genug sucht, wird es sogar finden, wenn es gar nicht da ist.
Hast du nicht auch schon mal einen anderen Menschen falsch interpretiert? Hast du in seinem Verhalten oder in seinen Worten einen Angriff gegen dich selbst gesehen? Oder hat dich sein Verhalten so stark verletzt, dass du gedacht hast “Ich wusste es, ich werde eh nur wieder verletzt und enttäuscht” ?
Wir neigen dazu, unsere Ängste in das Verhalten anderer Menschen hinein zu interpretieren.
Da reagiert der Proll schon mal schnell mit “Hey, respektierst du mich nicht oder was?”, wenn du ihn nur anschaust.
Da wird aus einem Gespräch deines Partners mit einer fremden Frau schnell mal ein “Oh Gott, findet er sie etwa attraktiv? Wenn ich nichts dagegen tue, verliebt er sich bestimmt in sie und verlässt mich.”
Da wird aus einem offenen “Schatz, ich habe gerade keine Lust darauf, mit dir zu schlafen.” in den Gedanken schnell mal ein “Er mag mich nicht mehr! Oh Gott, findet er mich etwa nicht mehr attraktiv? Geht er mir vielleicht sogar fremd?”.
Da wird aus einem kleinen Fehler, der eigentlich gar nicht so schlimm ist, schnell ein “Na toll, jetzt er/ sie mag mich nicht mehr. Ich bin echt so ein Versager!”
Und schon ist das zur selbsterfüllenden Prophezeiung geworden. Nicht, weil diese Dinge dann tatsächlich so passieren müssen, sondern weil wir den Schmerz der Enttäuschung oder der Wut in uns schon fühlen, obwohl die Situation noch gar nicht eingetreten ist, vor der wir solche Angst haben.
Und zusätzlich möchte ich dir jetzt noch eine weitere Methode vorstellen, wie du selbsterfüllende Prophezeiungen stoppen kannst. Hier nun eine äußerst wirksame Methode, um alte Gedankenmuster aufzulösen, Ängste zu lindern und damit “selbsterfüllende Prophezeiungen” ab jetzt zu verhindern.
- Definiere die Situation, vor der du Angst hast. Nimm hier am besten wirklich eine Situation, die du schon oft erlebt hast. Zum Beispiel: “Ich habe Angst davor, gefeuert zu werden.” oder “Ich habe Angst davor, meine Partnerin wieder zu enttäuschen.”
- Nun beschreibe diese Situation genauestens. Beschreibe dieses Worst-Case-Szenario so detailliert wie möglich:
Was passiert genau? Was tust du? Was sagst du? Wie reagiert die andere Person, falls eine anwesend ist?
- Nun schaue in dich hinein, wie du dich fühlst, wenn du dir diese Situation vorstellst (also so, wie du dich wahrscheinlich auch in der Situation fühlen würdest).
Was passiert mit deinen Gedanken, worauf fokussieren sie sich? Welche Gefühle nimmst du in deinem Körper wahr (Kloß im Hals, enge Brust, Stein im Bauch, wackelige Beine, etc.)? Was passiert mit deiner Stimme?
- Nun atme 10 mal tief ein und aus. Vor allem die Ausatmung sollte langsam sein und mindestens 6 Sekunden dauern. Spüre bei jeder Einatmung, was in deinem Körper passiert. Wo fließt die Luft hin? Was passiert mit den Gefühlen, die du dir in der Übung (3.) bewusst gemacht hast?
- Nun frage dich: Wer wärst du in dieser oberen Situation, wenn du diese Angst von (1.) und die Reaktion von (3.) nicht hättest? Wie würdest du in der Situation reagieren? Wie würde dein Körper reagieren, welche Gedanken hättest du (und welche hättest du eben nicht), was würdest du sagen? Wie würde es sich in deinem Körper anfühlen?
Würde die Situation so ausgehen, wie du am Anfang noch geglaubt hast? Falls ja, wäre das wirklich so schlimm? Bist du dann wirklich so hilflos, wie du glaubst, zu sein? Wäre dein Leben dann wirklich vorbei? Könntest du dann wirklich “nie wieder” glücklich werden? Wirklich?
Schreibe dir die Antworten zu den Fragen am besten auf. Wenn wir unsere Gedanken aufschreiben, hilft uns das, sie nachher objektiver betrachten zu können.
Es ist möglich, dass du manchmal Probleme mit der Übung hast, weil deine Gedanken zu leicht abdriften oder du dir die Situation einfach nicht so genau vorstellen kannst.
Es ist völlig normal, dass es manchmal Momente gibt, in denen es einfach nicht funktioniert. Es kann auch passieren, dass du persönlich mit einer der Übungen, die ich dir hier vorstelle, überhaupt nichts anfangen kannst, auch nach mehrmaligem Probieren nicht.
Das ist kein Indikator dafür, dass das an dir liegt. Das muss auch nicht heißen, dass die Methode deswegen nicht funktioniert. Das heißt einfach nur, dass dies dann nicht die richtige Methode für dich ist. Das ist in Ordnung, niemand kann mit allem etwas anfangen. Probiere dann einfach etwas Anderes.
Selbst wenn es klappt, erwarte nicht von dir, dass du die Erkenntnisse oder die Erleichterung, die du in dieser Übung gewinnen konntest, ab jetzt immer rechtzeitig abrufen kannst. Ängste und seelische Wunden brauchen Zeit. Gib ihnen diese Zeit.
@Arne Tempel
Fotonachweis: unsplash.com / @Vitaly Gariev







