Kevin Mayer ist ein Athlet.
Er hält den Weltrekord im Zehnkampf.
Viele nennen ihn den besten Athleten der Welt.
Seine 100 Meter läuft er in 10,55 Sekunden.
Diese Zeit ist schneller, als du oder ich je laufen würden.
Aber für ein WM-Finale über 100 Meter würde er sich damit nicht mal qualifizieren.
So ist es auch im Weitsprung, im Hochsprung oder im Speerwurf.
Kevin ist sehr gut, klar.
Aber an die Spezialisten in diesen Disziplinen kommt er nicht heran.
Würde er sich nur mit dem Olympiasieger über 100 Meter vergleichen, wäre er wahrscheinlich unzufrieden.
Das tut er aber nicht.
Er vergleicht sich nur mit anderen Zehnkämpfern.
Und darin steckt eine wichtige Lektion.
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Denn auch wir vergleichen uns ja immer wieder mit anderen.
Warum verdient sie mehr?
Warum schauen die Frauen ihm öfters hinterher als mir?
Warum spielt er besser Poker als ich?
Warum sind ihre Kinder auf dem Gymnasium und meine nur auf der Realschule?
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Wir vergleichen gerne, obwohl uns diese Vergleiche nicht gut tun.
Es gibt dazu einen schönen Satz:
Der Vergleich ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.
Meistens vergleichen wir genau eine Sache.
Das Geld, die Wohnung, das Haus, das Auto, die Beliebtheit, die Gelassenheit, die Freiheit.
Wenn das Leben ein Zehnkampf wäre, dann vergleiche ich nur meinen Weitsprung.
Und bin trotzdem unzufrieden.
Dabei bin ich vielleicht ein sehr guter Kugelstoßer.
Und ich schmeiße den Speer so weit wie kaum ein anderer.
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Es ist doch so: Die meisten von uns sind in 2 oder 3 Disziplinen richtig gut.
Wir können gut Briefe schreiben, Geld vermehren, zuhören, Menschen unterhalten, kochen, Möbel bauen oder einen Garten zum Blühen bringen.
Die meisten von uns sind auch in 100 Disziplinen eher mittelmäßig.
Und in weiteren 100 so richtig schlecht.
Was vollkommen okay ist.
Es reicht, wenn wir in wenigen Dingen gut sind.
Vorausgesetzt, du konzentrierst dich auch auf diese wenigen Dinge.
Wenn ich dagegen versuche, überall so richtig gut zu werden … dann werde ich scheitern.
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Bleiben wir mal bei der Metapher und machen eine kleine Übung zur Selbsterkenntnis:
Wenn das Leben ein Zehnkampf wäre, was wären dann deine wichtigsten Disziplinen?
Meine wären nicht Kochen oder Möbelbauen, sondern eher das hier:
- Ein sinnvolles Leben führen.
- Miteinander erleben.
- Anti-Fragilität.
- Klar sehen, was ich will und was ich brauche.
- Bewusstheit & Achtsamkeit.
- Echt sein.
Und bin ich jetzt in all diesen Disziplinen an der Spitze dabei?
Ähm, nein.
Darum geht es auch nicht.
Es geht um ein rundes Gesamtbild.
Eines, mit dem du insgesamt zufrieden bist.
Was wären also deine 10 Disziplinen?
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Und wenn du dich in Zukunft mal wieder mit jemandem vergleichst, dann frage dich:
Was vergleiche ich hier eigentlich gerade?
Vergleiche ich Äpfel mit Birnen?
Kontostände, Beliebtheit, Status?
Und macht diese eine Sache ein Leben glücklich?
Sorgt sie für inneren Frieden?
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Denn jeder Spezialist ist woanders schwach.
Der Halbmarathonläufer schläft vielleicht seit 2 Jahren schlecht.
Und die „gelassene“ Kollegin, die nie laut wird?
Sie kommt vielleicht seit 10 Jahren nicht mehr an ihre Kinder heran.
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Immer wenn du jemanden bewunderst, mache dir bitte klar:
Jeder von uns hat sein Päckchen.
Seine wunden Punkte, seine Ängste.
Und wenn du dich mal wieder vergleichst und schlecht abschneidest, dann frage dich:
Würde ich mit diesem Menschen komplett tauschen?
Mit allem.
Mit seiner Ehe, seinen Eltern, seinen Problemen, seinen Ängsten.
Die meisten sagen hier sehr schnell Nein.
Und dieses Nein ist meistens ziemlich heilsam.
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Vergleichen ist also irgendwie Mist.
Sollten wir dann nicht einfach aufhören, uns zu vergleichen?
Das wäre die Sekt- oder Selters-Lösung.
Wir dürfen aber nicht vergessen: das Vergleichen treibt uns auch voran.
- Geht das nicht noch besser?
- Bin ich schon da, wo ich hin will?
Das Vergleichen ist vielleicht nicht so sehr das Problem.
Zum Problem wird es erst bei Menschen, gegen die du nicht gewinnen kannst.
Und am wenigsten schadet dir ein Vergleich, wenn dein Wert als Mensch nicht daran hängt.
Es ist okay, wenn du irgendwo schlechter bist als jemand anderes.
Du bist trotzdem okay.
Und trotzdem ein wertvoller Mensch.
Vergleiche dich nicht, um deinen Wert zu bestimmen.
Vergleiche dich nur, um selbst weiterzukommen.
Also … in welcher deiner Disziplinen willst du noch besser werden?
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @TruckRun







