„Da kann man halt nichts machen.“
Diesen Satz sagen wir über die Schwiegermutter, über den Chef, über das Knie, über die Stille am Abendbrottisch.
Es ist, wie es ist.
Aber wir regen uns dann doch darüber auf.
Wir jammern ein bisschen, wir leiden, wir kämpfen innerlich.
Das Leben ist Leiden, sagen die Buddhisten.
Und wer würde dem widersprechen?
Ja, Schmerz gehört zum Leben dazu.
Unsicherheit.
Druck.
Verlust.
Enttäuschung.
Schmerz gehört dazu.
Die große Frage ist nur: Wie gehst du damit um?
Konstruktiv oder destruktiv?
Destruktiv bedeutet: Wir machen die Sache noch schlimmer.
Wir kippen weiteres Öl ins Feuer.
Indem wir uns nur über das Schlechte empören, ohne etwas zu tun.
Indem wir jammern oder indem wir still vor uns hinleiden.
All das produziert Stress in unserem Körper und Hilflosigkeit in der Seele.
Und das macht uns letztlich krank.
Und konstruktiv?
Konstruktiv bedeutet: Wir versuchen auf kluge und gesunde Art mit der doofen Sache klarzukommen.
Zuerst hören wir auf zu kämpfen.
Jedenfalls gegen das, was wir nicht ändern können.
Und zwar richtig aufhören.
„Da kann man halt nichts machen“ ist nämlich oft nur ein Waffenstillstand, den wir selbst nicht ernst meinen.
Innerer Frieden sieht anders aus.
Der Kampf geht innen trotzdem weiter, nur leiser.
Du merkst es daran, dass dich die Sache beim nächsten schlechten Tag sofort wieder einholt.
Als wäre sie nie weg gewesen.
Wir lassen die Sache nicht los.
Nein, wir vergraben sie nur tiefer.
Richtig Loslassen geht auf genau 3 Arten.
Du änderst die Sache.
Du änderst deinen Blick auf die Sache.
Oder du nimmst die Sache an.
Mehr Türen gibt es nicht.
Und jede davon führt raus aus dem inneren Kampf.
Und zwar auf eine gesunde, auf eine konstruktive Art.
Ändern.
Sichtweise ändern.
Akzeptieren.
Ändern, das bedeutet handeln, etwas machen, das Problem lösen.
Das Gespräch führen, den Arzttermin machen, das Nein aussprechen, das ungeliebte Ehrenamt abgeben.
Viele Belastungen sind lösbar.
Wir haben nur irgendwann aufgehört, uns die Power-Frage zu stellen:
„Was kann ich hier tun? Was sind meine Möglichkeiten? Wie kann ich zu einer Lösung beitragen?“
Und wenn du die Sache nicht ändern kannst?
Dann kannst du oft noch ändern, was sie für dich bedeutet.
Ein großer Teil unseres Schmerzes entsteht im Kopf: in der Geschichte, die wir uns über die Sache erzählen.
Die Schwiegermutter ist vielleicht gar nicht gegen dich.
Sie ist vielleicht einfach nur einsam und sucht auf ungeschickte Art Sinn und Kontakt.
Wir leiden oft an unserer Version der Sache, mehr als an der Sache selbst.
Änderst du deine Sichtweise auf die Sache, verschwindet auch der Schmerz.
Bleibt noch das Annehmen, das Akzeptieren.
Akzeptieren und Hinnehmen sehen von außen gleich aus, und innen sind sie das Gegenteil.
Beim Hinnehmen sagst du „Es ist halt so“ und ballst innerlich die Faust.
Beim Annehmen sagst du „Es ist so“. Und die Hand geht auf.
Beim Annehmen musst du nicht mögen, was du annimmst.
Aber du hörst auf, ständig in der Wunde zu bohren und dagegen zu kämpfen.
Und du hast wieder Augen für das, was in deinem Leben schön ist.
Du drückst nicht länger gegen etwas, das sich nicht bewegen lässt.
Und die Kraft dafür kommt zu dir zurück.
3 Wege also, um mit den Belastungen des Lebens umzugehen.
Wir gehen die 3 Wege so selten, weil jeder von ihnen etwas kostet.
Handeln kostet Überwindung.
Umdenken kostet die Bereitschaft, sich selbst zu widersprechen.
Und Annehmen kostet das Rechthaben.
Jammern und Aushalten kosten scheinbar nichts.
Nur jeden Tag ein bisschen Kraft. Aber eben jeden Tag. Und da summiert sich die Last über die Zeit. Bis sie wie 1.000 kg auf den eigenen Schultern liegt.
Lass uns praktisch werden:
Such dir eine einzige Belastung aus.
Nicht die größte, eine mittlere reicht.
Und dann frag dich: Welche der 3 Türen habe ich bei dieser Sache noch nie probiert?
Meistens stehen wir seit Jahren vor derselben Tür und rütteln.
Und die ist zu.
Leiden, Jammern, frustriert sein, wütend sein.
Die anderen Türen haben wir meistens gar nicht wahrgenommen.
Du musst den Schmerz des Lebens nicht einfach ertragen.
Bei jeder Belastung hast du 3 Türen. Und keine davon heißt Hinnehmen.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Liana S







