Lass uns heute über Fehler sprechen.
Ein Fehler: Etwas funktioniert nicht so, wie vorgesehen oder geplant.
Die normale Deutung: Fehler sind nicht gut. Sie sind bähbäh.
Besonders unsere eigenen Fehler, unsere Schwächen, unser Scheitern.
Fehler sind zu vermeiden. Fehler zeigen, dass du nicht aufgepasst hast. Oder dass du nicht gut genug bist.
Und wie haben wir das gelernt?
Durch den Rotstift. Durch schlechte Noten. Durch enttäuschte Blicke. Oder durch Gemecker.
Und was ist deswegen passiert?
Du hast einen inneren Wachhund entwickelt.
Einen Wachhund, der ständig Patrouille läuft und jeden möglichen Fehler vorher aufspüren will.
Klingt erstmal vernünftig.
Ist es aber nicht.
Denn dieser Wachhund hat einen Preis.
- Ständige Anspannung. Weil du immer überlegst: Was könnte schiefgehen?
- Weil du lieber gar nicht anfängst, als falsch anzufangen.
- Dich klein halten. Weil du nur das tust, was sicher klappt.
- Grübeln. Weil du jede Entscheidung dreimal absicherst.
Und selbst wenn du dir noch so viel Mühe gibst:
Fehler passieren trotzdem.
Denn auch Vermeidung kann ein Fehler sein.
Und dann bist du schon ganz erschöpft.
Vom vielen Vermeiden.
Idee!
Lass uns Fehler umdeuten:
- Ein Fehler ist ein Beweis. Dass du etwas versucht hast.
- Ein Fehler ist Echtzeit-Feedback. Du musst nicht mehr theoretisieren, ob etwas funktioniert. Du weißt es jetzt.
- Ein Fehler ist eine Abkürzung zum Glück. Der schnellste Weg herauszufinden, was nicht geht – damit du dich auf das konzentrieren kannst, was tatsächlich funktioniert.
Der Unterschied zwischen Menschen, die im Leben vorankommen, und solchen, die stecken bleiben?
Die Vorankommer machen ihre Fehler schneller und sie lernen daraus.
Sie machen Fehler nicht, weil sie dümmer sind.
Sondern, weil sie mehr ausprobieren. Weil sie mehr starten und mehr riskieren.
Wer wenig tut, macht wenig falsch. Aber eben auch: wenig richtig.
Und noch einmal: Auch nichts tun kann ein Fehler sein.
Schön und gut.
Fehler sind also meine Freunde.
Ja, ja. Tolle Wurst.
Wie ändere ich jetzt eine Haltung, die seit Jahrzehnten sitzt?
Hier sind drei Gedanken, die mir geholfen haben:
Idee 1: Ändere die Frage.
Nicht mehr: „Wie vermeide ich Fehler?“
Sondern: „Was soll schlimmstenfalls passieren? Und werde ich damit umgehen können?“
Meistens ist die Antwort: Ein bisschen Peinlichkeit. Kurzer Ärger. Ich werde es aushalten. Mich vielleicht entschuldigen. Daraus lernen. Die Krone richten. Weitergehen.
Idee 2: Schneller abhaken.
Die meisten Fehler verdienen keine tagelange Analyse.
Kurz ärgern. Aufräumen. Weitermachen. Das ist ein gesunder Umgang.
Idee 3: Akzeptiere deine Fehlerquote.
Wer viel tut, macht viel falsch.
Das ist Mathematik, kein Charakterfehler.
Du wirst nie bei null Fehlern ankommen.
Also hör auf, das anzustreben.
Wenn du dein Verhältnis zu Fehlern änderst, passiert Folgendes:
- Du fängst schneller an. Weil du nicht mehr alles absichern musst.
- Du erholst dich schneller. Weil Fehler dich nicht mehr so umhauen.
- Du traust dir mehr zu. Weil du weißt: Ich komme auch mit dem Scheitern klar.
- Du verschwendest weniger Energie auf Sorgen.
Das ist das entspanntere Leben.
Nicht weniger Fehler.
Sondern weniger Drama um die Fehler.
Hier noch eine Frage für dich:
Wo in deinem Leben hält dich gerade die Angst vor einem Fehler zurück?
Vielleicht ist genau das der Fehler, den es sich lohnt zu machen.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben / Zeit zu leben
Fotonachweis: unsplash.com / Jamie Brown







