Wenn du Gewichte stemmst, bekommst du Muskelkater.
Wenn du dich richtig anstrengst, reißt dein Muskel tatsächlich ein bisschen.
Und dann wird er stärker als vorher.
Genau so funktioniert deine Seele: Sie wird durch kleine Risse stärker.
Diese Stärke entsteht oft durch Schmerz, Enttäuschung und Probleme.
Und Helden wie du und ich brauchen diese innere Stärke.
Aber viele Menschen denken das Gegenteil.
Sie denken, resiliente Menschen sind die, denen nichts etwas anhaben kann.
Menschen, an denen die Kugeln abprallen.
Die Idee ist: Stark sein bedeutet: unverwundbar sein.
Wie Superman.
Aber das ist das große Missverständnis über Resilienz.
Innere Stärke funktioniert komplett anders.
Echte Resilienz bedeutet nicht, dass du jedem Schlag ausweichen kannst.
Sie bedeutet, dass deine blauen Flecke dich stärker machen.
Vorausgesetzt, du glaubst daran, dass deine blauen Flecke dich stärker machen.
Wie beim Muskel: Eine kleine Verletzung ist ein Wachstumspunkt.
Schau dir eine Narbe an.
Die Haut wächst dort dicker zusammen.
Die Narbe ist stärker als die unverletzte Haut.
Die Wunde hat dich an dieser Stelle robuster gemacht.
Und genauso ist es bei dir.
In den kleinen Momenten, in denen du verletzt wurdest. Oder wo du dir selbst ein Bein gestellt hast.
Die Male, wo du dachtest „Ich kann nicht mehr“.
Das ist kein Versagen.
Das sind die Stellen, an denen du wachsen kannst. Wenn du bei dir bleibst und achtsam mit der schwierigen Situation umgehst.
Und oft bist du dann nicht mehr der, der du einmal warst.
Du bist dann eine stärkere und bessere Version deiner Selbst.
Jemand, der mehr weiß. Jemand, der mehr kann. Jemand, der mehr trägt.
Resilienz ist keine Heilung, keine Rückkeh zum Alten.
Resilienz ist Verwandlung durch das Zerbrechen hindurch.
Und wenn du das verstehst, verändert sich alles.
Dann musst du deine Wunden nicht mehr verstecken.
Dann musst du nicht mehr so tun, als wäre nichts gewesen.
Du darfst sagen: „Ja, das hat wehgetan. Und ich bin daran gewachsen.“
Vielleicht denkst du jetzt:
„Aber ich fühle mich nicht stärker. Ich fühle mich jetzt kaputt.“
Das kann passieren. Aus den unterschiedlichsten Gründen. Wenn wir nicht vergeben können. Uns selbst oder den anderen. Wenn wir uns immer weiter über uns selbst ärgern. Wenn wir uns weigern, das Gute im Schlechten zu suchen.
Manchmal braucht es auch einfach nur Zeit. Wachstum kommt nicht immer sofort.
Beim Muskelkater ja auch nicht.
Da läufst du ein paar Tage krumm und steif.
Und nach ein paar Tagen merkst du, dass du stärker bist und mehr heben kannst.
Und wenn du gerade mitten drin im Schmerz bist. Dann kann es wirklich helfen, wenn du dir selbst sagst:
- Ja, es tut weh.
- Und ich werde irgendwann verstehen, was hier passiert ist.
- Ich werde irgendwann das Gute im Schlechten finden. Und das ist okay.
- Ich nutze den Schmerz.
- Ich werde daran wachsen.
Und du musst jetzt nicht schon stark sein. Du darfst erst einmal nur überleben. Das reicht.
Denke immer daran: Deine Verletzungen sind kein Makel.
Sie sind Energie und Wachstumspotenzial.
Nicht trotz deines Schmerzes bist du stark.
Durch deinen Schmerz bist du stark.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
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