Wenn du dir manche Termine in deinem Kalender heute nicht mehr aussuchen würdest, dann lies weiter.
Ich kenne eine Frau, die singt seit 11 Jahren jeden Dienstagabend im Chor.
Angefangen hat sie kurz nach ihrer Scheidung.
Sie wollte damals unter Menschen.
Heute mag sie weder die Leute dort noch die Lieder.
Und trotzdem steht der Dienstag jede Woche in ihrem Kalender.
Bei dir ist es vielleicht etwas anderes als der Chorabend.
Vielleicht der Kaffee einmal im Monat mit einer Frau, mit der dich längst nichts mehr verbindet.
Das Ehrenamt, in das du mit 40 hineingerutscht bist.
Der Anruf jeden Sonntag um 11.
Nicht jeder hat so einen Termin.
Und niemand hat gleich fünf davon.
Aber nahezu jeder hat so ein Relikt aus der Vergangenheit, das dir nichts mehr bringt.
In deinen Kalender kommt so ein Termin, weil du ihn EINMAL wolltest.
Du entscheidest dich ein einziges Mal.
Und danach läuft diese Entscheidung jede Woche einfach weiter.
Niemand fragt nach, ob diese Entscheidung noch aktuell ist.
Du selbst am allerwenigsten.
Wir hören nicht auf, weil es uns peinlich oder unangenehm wäre.
Nach 11 Jahren kann man doch nicht plötzlich sagen, dass man keine Lust mehr hat.
Was sollen denn die anderen denken.
Also lassen wir es einfach weiterlaufen.
Und tun das, was wir schon immer getan haben.
Aber ein Termin aus reiner Gewohnheit kostet dich viel mehr als die 2 Stunden am Abend.
Er kostet dich schon den Nachmittag davor.
Weil du dich innerlich längst dagegen wehrst, bevor du überhaupt losfährst.
Gegen einen ungeliebten Termin im Kalender hilft eine einzige Frage.
Und es ist nicht die Frage, die wir uns normalerweise stellen.
Wir fragen uns: Warum sollte ich aufhören?
Darauf finden wir nie einen guten Grund.
Ein Grund zum Aufhören muss ja schwerer wiegen als 11 Jahre Gewohnheit.
Die bessere Frage dreht die Sache einfach um.
Würde ich heute damit anfangen?
Geh damit einmal durch deine Woche.
Termin für Termin.
Bei erstaunlich vielen Verabredungen lautet die Antwort: Nein, heute NICHT mehr.
Und vielleicht hast du jetzt so einen Termin gefunden.
Den musst du nicht gleich hinschmeißen.
Manches machen wir weiter, obwohl es keinen Spaß macht.
Der Sonntagsanruf bei der Mutter gehört dazu.
Aber es gibt einen Unterschied.
Ob du hinfährst, weil du es immer so gemacht hast.
Oder weil du dich heute noch mal dafür entscheidest.
Und vielleicht willst du auch wirklich einen deiner Termine loswerden.
Und dann ist es oft erstaunlich einfach.
Du musst dich nicht groß erklären.
Du sagst nur:
„Ich mache erst mal eine kleine Pause.“
oder
„Ich kann die nächsten paar Male leider nicht.“
Die anderen nehmen das meistens gelassener auf, als wir denken.
Meistens sagen sie „Schade“ und reden dann über etwas anderes.
Frei wird dann mehr als nur ein Abend in der Woche.
Frei wird vor allem die Zeit davor.
Der Nachmittag, an dem du dich schon innerlich wappnest.
Und frei wird das Gefühl, dass dein Leben dir gehört.
Nicht deinem Kalender und nicht deinen alten Gewohnheiten.
Ein Lebensgestalter schafft nicht alles. Aber er schaut ab und zu nach, ob seine alten Entscheidungen noch stimmen.
Und dann noch kurz: Morgen startet die zweite und letzte Runde von Schreiben als Weg.
Danach startet der Kurs in diesem Jahr nicht mehr.
Morgen früh (am Montag) geht es los.
Und noch einmal zu den Terminen: Du darfst deine Entscheidungen von früher überstimmen.
Der Mensch von damals wusste weniger über dein Leben als du heute.
Du schuldest diesem vergangenen Ich keine Treue. Es hat einmal entschieden. Nicht für immer.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
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