Also, du kommst abends nach Hause und setzt dich auf die Couch.
Du bist richtig müde.
Du hast den ganzen Tag gearbeitet, E-Mails beantwortet, Telefonate geführt, Listen geschrieben, Dinge angeschoben.
Und trotzdem hast du das Gefühl, dass du eigentlich nichts geschafft hast.
Ich weiß nicht, ob du das so schon mal erlebt hast. Ich kenne das Gefühl jedenfalls.
Und du warst nicht faul, ne, ganz sicher nicht.
Aber von den 7 Dingen, die du heute angefangen hast, ist keines wirklich fertig geworden.
Vor ein paar Jahren bin ich zu diesem Thema über ein interessantes Experiment gestolpert.
Forscher teilten Probanden in 2 Gruppen:
- die eine arbeitete an 7 Aufgaben gleichzeitig.
- die andere konzentrierte sich auf 2 Aufgaben.
Nach einer Woche hatte die 7-Aufgaben-Gruppe bei jeder einzelnen Aufgabe weniger Fortschritt gemacht.
Nicht ein bisschen weniger, sondern deutlich weniger.
Ein Motivationsproblem? Nein, das ist schlicht Mathematik.
Und trotzdem machen die meisten von uns es jeden Tag genauso.
Die Frage ist nur: Warum eigentlich?
Der Grund dafür ist fast schon gemein.
Jedes Mal, wenn du etwas Neues anfängst, bekommst du einen kleinen Energieschub.
Dein Gehirn belohnt das Anfangen, nicht das Fertigwerden.
Anfangen ist einfach viel leichter als dranbleiben, Probleme lösen, sich durchbeißen.
Das heißt: 7 Dinge anfangen fühlt sich netter und produktiver an als 2 Dinge zu Ende bringen.
Es fühlt sich nach Fortschritt an, nach Bewegung, nach Kontrolle.
Es fühlt sich erst einfacher an, ist es aber dann doch nicht.
Denn es kostet nicht nur deine Zeit.
Es kostet vor allem deine Energie.
Jedes Mal, wenn du von einer Aufgabe zur nächsten wechselst, braucht dein Kopf einen Moment, um sich neu einzufinden.
Psychologen nennen das „Switching Costs“ – und diese Kosten summieren sich über den Tag zu einer stillen Erschöpfung.
Dazu kommt, dass jede nicht erledigte Aufgabe in deinem Kopf ein offener Punkt ist, der auch still und leise Energie kostet.
Das ist dann die Müdigkeit, die du abends spürst, ohne sie erklären zu können.
Klar, du hast doch den ganzen Tag gearbeitet.
Die Müdigkeit kommt aber nicht vom vielen Arbeiten – sie kommt vom ständigen Wechseln und der unsichtbaren Aufgabenliste im Kopf.
Es gibt ein einfaches Erkennungszeichen dafür.
Wenn du am Ende eines Tages sagen kannst, was du fertiggemacht hast – nicht angefangen, nicht vorangetrieben, sondern wirklich abgeschlossen – dann warst du wahrscheinlich fokussiert und produktiv.
Wenn du dagegen eine lange Liste hast von Dingen, die alle „in Arbeit“ sind, dann warst du „nur“ beschäftigt.
Aber beschäftigt sein und vorankommen sind eben 2 völlig verschiedene Dinge.
Streuung ist oft die eleganteste Art, beschäftigt zu sein, ohne sich wirklich zu bewegen.
Von außen sieht es genauso aus wie Produktivität.
Von innen fühlt es sich an wie Hamsterrad.
Was dagegen hilft, ist überraschend einfach.
Nicht mehr Disziplin, nicht besseres Zeitmanagement, nicht noch eine App auf dem Handy.
Sondern eine einzige Frage am Morgen:
„Was ist die eine Sache, die heute wirklich fertig werden soll?“
Nicht 3 Sachen, nicht 5, nicht die ganze Liste.
Genau eine einzige Sache.
Und dann bei dieser einen Sache bleiben, bis sie erledigt ist.
Alles andere darf warten – und das meiste kann es auch.
Ich mache das selbst seit ein paar Jahren so.
Ich habe jeden Tag mein MIT (Most important task), meine wichtigste Aufgabe für den Tag.
Und ich erinnere mich noch, wie ich nach den ersten Wochen mit dieser Vorgehensweise so einen krassen Sprung in meiner Produktivität hatte.
Und in meiner Zufriedenheit. Denn etwas abzuschließen ist einfach viel befriedigender als nur ein bisschen Fortschritt zu machen.
Ja, wenn du abends auf der Couch sitzt und weißt, dass eine Sache wirklich fertig ist – nicht halb, nicht fast, sondern ganz – dann merkst du den Unterschied.
Es ist nicht das Gefühl, viel geschafft zu haben.
Es ist das ruhige Gefühl, etwas bewegt zu haben.
Und das ist etwas, das dir kein voller Kalender geben kann.
Und wenn du noch mehr solche Strategien suchst, dann wirst du meinen Selbstorganisationskurs mögen, der morgen startet.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Look Studio







