Selbstmitgefühl macht dein Leben einfacher, netter und freundlicher.
Trotzdem haben viele von uns ein Problem damit.
Das ist mir zu soft.
Das Leben ist keine Kuscheldecke.
Selbstmitgefühl… das ist doch nur Selbstbetrug.
Ich rede mir hier doch nur Dinge schön.
Aber Moment. Das ist Selbstmitgefühl, wie es NICHT funktioniert.
Selbstmitgefühl sagt durchaus:
Hey Ralf, sorry, aber das war Pinguin-Kacke.
Das hast du so richtig vergeigt.
Und du weißt es. Sonst würdest du dich jetzt nicht schlecht fühlen.
Aber hey, jeder macht Fehler, niemand ist perfekt.
Du bist trotzdem ein guter Typ. Ein guter Typ mit schlechten Tagen. Wie alle anderen auch.
Und ja, das ist doof, aber auch kein Riesendrama.
Also, Ärmel hochkrempeln. Wie räumen wir das jetzt auf?
Du bekommst das hin. Wie alle anderen Male vorher auch.
Ja, Selbstmitgefühl und Ehrlichkeit mit sich selbst sind ja kein Widerspruch.
Denn ehrliches und gutes Selbstmitgefühl:
- Spendet mir Trost
- Konfrontiert mich sanft
- Ermutigt mich
- Entlastet mich
- Ist werte-orientiert
- Ist vernünftig und denkt an meine langfristigen Interessen
Und was passiert ohne Selbstmitgefühl?
Dann klingt die innere Stimme so:
„Schon wieder verkackt. Warum schaffst du auch NIE was? Sandra aus der Buchhaltung kriegt das doch auch hin. Du bist einfach zu doof dafür. Hoffnungsloser Fall.”
Die eine Stimme, die des Selbstmitgefühls, die macht dich handlungsfähiger und stärker.
Die andere, harte Stimme macht dich kleiner und schwächer.
Selbstmitgefühl gibt dir Kraft, weiterzumachen.
Deine innere Drill-Sergeant-Nummer lähmt dich nur.
Aber woher kommt diese Idee nur, dass wir uns selbst hart anpacken müssen?
Wahrscheinlich Erziehung.
Wir haben gelernt: Nur wer sich selbst ordentlich in den Hintern tritt, wird besser.
Wer nett zu sich ist, versumpft auf dem Sofa mit Netflix und Chips.
Und dahinter steht die Angst:
- Wenn ich nett zu mir bin, werde ich faul.
- Wenn ich nachsichtig bin, habe ich keine Standards mehr.
Kurz: Ich werde zum Kartoffelklumpen.
Aber dein Nervensystem funktioniert anders.
Wenn du dich selbst angreifst, schaltet es auf Bedrohung.
Stresshormone.
Was folgt, ist Kampf oder Flucht.
Und in diesem Zustand kannst du nicht klar denken. Sondern nur panisch googeln oder Kühlschrank plündern.
So kannst du nicht kreativ sein.
So kannst du nicht klug reagieren und dazulernen.
Selbstmitgefühl dagegen sagt deinem Nervensystem: Du bist okay. Du bist sicher. Du musst nicht perfekt sein. Du darfst Mensch sein.
Und erst dann kannst du wirklich wachsen.
Wie ist das bei dir? Mach mal einen Test:
Wenn du das nächste Mal einen Fehler machst und dir was sagst – spür in deinen Körper.
Fühlst du dich zusammengezogen? Eng in der Brust? Schwer?
Oder fühlst du dich offen? Ruhig? Klar?
Dein Körper ist wie ein Lügendetektor. Er weiß sofort, ob das gerade geringschätzige Selbstkritik oder freundschaftliches Selbstmitgefühl ist.
Zweiter Test. Schau auf deine innere Stimme und frage dich:
- Macht dich der Gedanke handlungsfähig?
- Oder lähmt er dich?
Echter Selbstmitgefühl-Gedanke:
„Okay, das lief nicht gut. Was mache ich jetzt konkret anders?”
Selbstkritik-Gedanke:
„Ich bin so ein Versager. Ich schaffe das eh nie. Wahrscheinlich sollte ich einfach auswandern. Oder Eremit werden. Mit Ziegen.”
Die guten Gedanken öffnen Türen.
Die harten Gedanken schlagen die Tür zu und verrammeln sie mit Möbeln.
Was machst du jetzt konkret?
Wenn du das nächste Mal merkst, dass du dich selbst fertigmachst:
Stopp.
Kurze Pause.
Dann frag dich (am besten laut, gibt mehr Nachdruck):
„Wenn ich gerade ganz sanft, ehrlich und liebevoll drauf wäre: Was würde ich dann einem guten Freund sagen, der genau das gleiche erlebt hat?”
Sag genau das zu dir.
Nicht perfekt formuliert.
Nicht therapeutisch korrekt.
Einfach nur: ehrlich und freundlich.
Du darfst ehrlich mit dir sein UND freundlich.
Das ist kein Widerspruch.
Das ist Selbstmitgefühl.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com @Priscilla Du Preez 🇨🇦







