Du liegst abends im Bett und denkst: Morgen fange ich an. Wirklich.
Du weißt genau, was zu tun wäre.
Du hast es dir schon hundertmal ein oder zweimal vorgenommen, du hast Bücher darüber gelesen, du hast mit Freundinnen darüber gesprochen.
Und dann kommt der nächste Morgen.
Du stehst auf, trinkst deinen Kaffee, erledigst den Tag.
Und abends liegst du wieder da, mit demselben Gedanken.
Morgen fange ich an.
Und irgendwann denkst du: Woran liegt das eigentlich?
Warum tun wir nicht, was gut für uns ist?
Die Antwort, die sich am besten anfühlt, ist: Ich muss das Problem erst richtig verstehen.
Also liest du noch ein Buch darüber, hörst noch einen Podcast.
Hast ein langes Gespräch mit einer Freundin, die sagt: „Ja, das kenne ich auch.“
Und dann liest du vielleicht noch einen Artikel und denkst: Ja, genau das ist es, jetzt habe ich es begriffen.
Jedes Mal, wenn du etwas Neues über dich verstehst, fühlt es sich an wie ein kleiner Schritt nach vorn.
Aber du stehst noch genau da, wo du gestern standest.
Einsicht fühlt sich an wie Fortschritt. Im Kopf bewegt sich was. Aber in deinem Leben? Da ist alles noch beim Alten.
Stell dir vor, jemand erklärt dir haargenau, wie Schwimmen funktioniert.
Die Armbewegung, die Atmung, den Beinschlag.
Du verstehst alles perfekt.
Und dann stehst du am Beckenrand und springst trotzdem nicht rein.
Du kannst heute wahrscheinlich ziemlich genau erklären, warum du bestimmte Dinge aufschiebst.
Du kennst deine Muster und weißt, woher dein innerer Widerstand kommt.
Und trotzdem ändert sich nichts, weil Verstehen und Handeln 2 völlig verschiedene Dinge sind.
Verstehen passiert im Kopf. Aber Handeln braucht etwas anderes. Und dieses Andere lässt sich nicht durch Nachdenken erzeugen.
Das ist die Falle, in die viele von uns tappen.
Wir glauben, wir bräuchten nur noch eine Erkenntnis mehr.
Nur noch einen einzigen Aha-Moment, eine kluge Erklärung, die endlich alles zusammenfügt.
Und dann, ja dann fangen wir an.
Aber dieser Moment kommt nicht.
Die Erkenntnis fehlt nämlich gar nicht. Erkenntnis erzeugt nur leider keine Energie.
Sie erklärt dir alles. Aber sie bringt dich nicht ins Tun.
Und je mehr du verstehst, desto mehr fühlt es sich an, als hättest du es damit schon fast erledigt.
Okay, und was hilft dann?
Etwas tun. Etwas ganz Kleines.
2 Minuten. Ein einziger Schritt. Etwas, das so wenig Überwindung kostet, dass du es machst, bevor du darüber nachdenken kannst.
Nicht die Steuererklärung machen, sondern den Ordner auf den Schreibtisch legen.
Nicht das schwierige Gespräch führen, sondern den Namen ins Handy tippen und den Anruf für morgen um 10 in den Kalender eintragen.
Nicht 5 Kilometer laufen, sondern die Schuhe anziehen und vor die Tür gehen.
Klingt zu simpel? Ja, vielleicht.
Aber es funktioniert.
Ein Freund von mir wollte seit 3 Jahren ein Buch schreiben.
Er hat vorher 5 Bücher übers Schreiben gelesen.
Er hat ein Seminar dazu besucht.
Er recherchierte und recherchierte und recherchierte.
Und er hat noch keine einzige Seite geschrieben.
Wissen ist oft erstaunlich nutzlos. Es gibt einem ein gutes Gefühl. Aber es produziert keine Buchseiten.
Vielleicht hast du schon genug verstanden.
Vielleicht weißt du längst alles, was du wissen musst.
Vielleicht ist die nächste Erkenntnis gar nicht das, was dir jetzt weiterhilft.
Vielleicht ist es die kleinste Handlung, die du dir vorstellen kannst, so winzig, dass es sich kaum lohnt, davon zu erzählen.
- Die Laufschuhe irgendwo hinstellen.
- Die Telefonnummer heraussuchen.
- Für 3 Minuten hinsetzen und nichts tun.
Irgendetwas Kleines, das dich näher an dein Ziel heranbringt.
Viele kleine Schritte ergeben auch einen großen Schritt. Nur dass es eben einfacher ist, anzufangen.
Do it.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Lindsay Henwood






