Ich weiß nicht, ob du manchmal erschöpft bist.
Und vielleicht ist diese Erschöpfung gar nicht das Ergebnis von zu viel Tun.
Vielleicht ist sie das Ergebnis von zu viel Hadern mit Dingen, die du sowieso nicht ändern kannst.
Wenn du heute Abend ehrlich auf deinen Tag schaust, wirst du wahrscheinlich merken: Das Erschöpfendste war nicht das, was du gemacht hast.
Es war das, was zwischendurch in deinem Kopf gelaufen ist.
Vielleicht der Satz aus dem Telefonat von gestern, der dir seit Stunden im Magen liegt.
Oder die Sache, die du mit deinem Mann nicht ausgesprochen hast.
Oder eine leise Sorge, die seit Wochen mitläuft, ohne dass sich irgendetwas an ihr verändert.
Deine Energie geht oft nicht in das, was du tust, sondern in das, womit du innerlich haderst.
Und das ist ein riesiger Unterschied.
Das eine bringt dich voran.
Das andere ist wie ein Motor, der im Leerlauf läuft.
Viel Geräusch, viel Verbrauch, keine Bewegung.
Aber man kann ja auch nicht einfach alles ignorieren oder sogar gut finden, was einem nicht passt.
Und das wäre ja auch nicht der Punkt.
Akzeptieren heißt ja nicht, dass du etwas gut findest.
Das wird oft verwechselt.
Akzeptieren heißt nur: Du erkennst an, dass eine Sache gerade so ist, wie sie ist.
Ohne sie gut finden zu müssen.
Ohne innerlich dagegen zu kämpfen.
Eher neutral, wie ein Tatsachenbericht.
Das hat nichts damit zu tun, ob du etwas magst oder ob du etwas irgendwann verändern möchtest.
Wenn du innerlich ein leises „so ist es jetzt eben“ zulässt, hat das auch nichts mit Resignation zu tun.
Es bringt dir eher eine Klarheit, die vorher nicht da war.
Plötzlich siehst du, was wirklich vor dir liegt.
Du siehst die Sache, ohne den Kampf, den du sonst mit dieser Sache verknüpft hast.
Und du merkst: Vieles, was sich im Kopf riesig angefühlt hat, ist auf einmal überschaubar.
Anderes ist tatsächlich ein dickes Brett.
Aber jetzt schaust du es zum ersten Mal an, ohne dich daran abzuarbeiten.
Und dann kommt die Frage, die alles entscheidet.
Was davon kannst du wirklich beeinflussen?
Manche Dinge liegen einfach nicht in deiner Hand.
Das Wetter, die Meinung anderer, das Vergangene, die Stimmung deines Partners.
Anderes liegt sehr wohl in deinem Einflussbereich.
Wie du heute Abend mit dir selbst sprichst.
Was du als Nächstes tust.
Welche Sache du anschaust, statt sie weiter wegzudrücken.
Wenn du diese Trennlinie für dich ziehst, wird auf einmal Platz im Kopf.
Die Energie, die vorher im Hadern verschwunden ist, wird frei.
Nicht auf einen Schlag, sondern Stück für Stück.
Du merkst es abends, wenn dir auffällt, dass du noch etwas im Tank hast, das du vorher dort nicht gespürt hattest.
Und mit diesem Rest kannst du dich um das kümmern, was du wirklich gestalten kannst.
Das ist oft viel kleiner, als wir denken.
Vielleicht der Anruf, den du seit drei Wochen vor dir herschiebst.
Oder dass du heute Abend pünktlich aufhörst und dich tatsächlich auf die Couch setzt, statt noch eine Stunde dranzuhängen.
Innere Ruhe und Akzeptieren werden oft mit Stillstand verwechselt.
Dabei sind sie das, was Bewegung überhaupt erst möglich macht.
Wenn du nicht mehr gegen das ankämpfst, was sowieso ist, hast du auf einmal Kapazität für das, was du wirklich verändern kannst.
Das muss heute nichts Großes sein.
Vielleicht etwas, das du seit Monaten siehst und vor dem du immer wieder stehen geblieben bist.
Du musst es heute nicht zu Ende bringen.
Aber du könntest anfangen.
Und dann ist etwas in Bewegung.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Doğukan Şahin






