Wir haben es alle schon erlebt.
Du hast dir etwas vorgenommen. Veränderung liegt in der Luft.
3 Tage läuft es gut.
Du stehst früher auf, du machst dein Ding, du spürst dieses leise Gefühl von Stolz.
Dann kommt der 4. Tag.
Aber du bleibst liegen und du merkst: Heute wird das nichts.
Und der erste Gedanke ist nicht „Morgen wird es besser.“
Der erste Gedanke ist: „Natürlich, typisch ich.“
Was daran seltsam ist: Diese Stimme war schneller da als die anderen Gedanken.
Die Stimme war sofort da, weil sie immer bereit ist, dir eine reinzudrücken.
Diese innere Stimme hat einen hohen Standard.
Sie will, dass du durchhältst, dass du lieferst, dass du dich zusammenreißst.
Und die Stimme klingt dabei so, als hätte sie recht.
So, als wäre diese Strenge der einzige Grund, warum du überhaupt irgendetwas hinbekommst.
Vielleicht glaubst du das sogar.
Vielleicht hast du irgendwann gelernt, dass nur dieses ständige Antreiben dich in Bewegung hält.
Aber diese Stimme, die dich antreiben will, richtet dabei etwas an, das du nicht sofort merkst.
Es ist ein bisschen paradox, aber …
Wenn du dich für jeden Rückschritt bestrafst, bringst du dir selbst bei, dass Anfangen sich nicht lohnt.
Weil der Preis für einen schlechten Tag so hoch wird, dass irgendwann der Gedanke kommt: Warum überhaupt anfangen, wenn ich es sowieso nicht durchziehe?
Du hast das vielleicht schon erlebt.
Du fängst an, stolperst, machst dir Vorwürfe. Fängst nochmal an, stolperst wieder, und diesmal sind die Vorwürfe noch lauter.
Und irgendwann lässt du es einfach bleiben. Weil du diese schlechten Gefühle nicht mehr willst.
Bei dieser ganzen Sache mit dem Durchhalten gibt es einen Denkfehler und wir fallen jedes Mal darauf hinein.
Der Denkfehler: Ein Rückschritt und ein Scheitern fühlen sich im Moment völlig gleich an.
Dein Kopf macht da keinen Unterschied.
Ein Tag, an dem du es nicht hinbekommen hast, fühlt sich an wie ein Beweis dafür, dass du es nie schaffen wirst.
Aber das stimmt ja nicht.
Ein Rückschritt ist einfach nur ein Moment, wo es mal nicht so läuft.
Scheitern dagegen? Das ist die Geschichte, die du dir hinterher daraus zusammenbaust.
Du kannst dir die Geschichte erzählen: „Ich hab’s gewusst, dass ich nichts hinbekomme. Na dann eben nicht.“
Oder du erzählst dir die Geschichte: „Okay, heute war das nichts, aber morgen wird es wieder besser und übermorgen auch.“
Du entscheidest, welche Geschichte du dir erzählst.
Es gibt 2 mögliche Stimmen, die sich nach einem Rückschritt melden.
Die eine fragt: „Was lief gestern nicht – und was muss ich anders machen? Was muss sich noch ändern, damit es besser läuft?“
Die andere Stimme sagt einfach nur: „Ich bin nicht diszipliniert genug.“
Die eine steuert nach, sie korrigiert. Bis es endlich klappt.
Die andere verurteilt dich nur für deinen Ausrutscher.
Und nur eine von beiden führt dazu, dass du am nächsten Tag weitermachst.
Ja, die strenge Stimme klingt oft richtiger, weil sie sich nach jemandem anhört, der es ernst meint.
Aber mild mit dir selbst zu sein, heißt nicht, dass du nachlässig bist.
Eigentlich ist es genau andersrum.
Die Energie, die du für Selbstvorwürfe brauchst, fehlt dir am nächsten Morgen zum Aufstehen.
Milde und Güte mit sich heißt nicht, dass dir alles egal ist.
Milde heißt, dass du siehst, was nicht lief – ohne dich dafür fertigzumachen.
Du sagst nicht „Ist schon okay, ich muss ja nichts.“
Du sagst: „Es lief nicht, und morgen probiere ich es anders.“
Das klingt nach fast nichts.
Aber es ist genau die Art und Weise, wie ein guter Coach arbeitet. Akzeptieren was ist. Hinschauen, was geändert werden könnte. Etwas ändern und überprüfen, ob das den Unterschied gemacht hat.
Ein guter Coach würde dir auch nicht sagen: „Du schaffst das sowieso nie.“
Er würde sagen: „Ja, das war ein nicht ganz so guter Tag, morgen wird es besser.“
Und genau das ist der Unterschied zwischen jemandem, der nach dem 4. Tag aufgibt, und jemandem, der am 5. Tag einfach weitermacht.
Am 5. Tag aufstehen und weitermachen.
Du brauchst dafür keine besondere Disziplin.
Auch kein dickeres Fell.
Nur die Bereitschaft, dir selbst zu sagen: Gestern war gestern.
Du erlaubst dir einfach, einen schlechten Tag gehabt zu haben, ohne dir daraus einen Strick zu drehen.
Das verändert nicht den Rückschritt.
Aber es verändert alles, was danach kommt.
Das klingt nicht nach viel, ich weiß. Aber es ist vielleicht das Stärkste, was du für dich tun kannst.
Alles Gute für dich.
@Ralf Senftleben (Zeit zu leben)
Fotonachweis: unsplash.com / @Rodolfo Barreto






